Meine Meniskus-Operation 2007

Die Kernspin Aufnahme meines Knies

Was tanzen so alles verursacht. Nichtsnahnend, was alles beim Tanzen passieren kann, habe auch ich meine ersten Erfahrungen damit gemacht. Mit Anja war ich letztes Jahr zu einer Hochzeit eingeladen. Nachdem wir schon einige Tänze absolviert hatten, wurde mir eine "Linksdrehung" zum Verhängnis. Ich spürte einen kleinen stechenden Schmerz im linken Knie und sagte kurz "Ich glaube, ich kann jetzt nicht mehr tanzen". Das das natürlich von jeder Frau mißverstanden wird, liegt klar auf der Hand. So auch dieses mal. An dem Abend war es dann wirklich mit Tanzen vorbei und in den nächsten Tagen und Wochen habe ich immer wieder diesen Schmerz wahrgenommen. Also ab zum Arzt. Ich weiß noch genau was er gesagt hat. "Was haben Sie denn damit gemacht? Hatten Sie einen Unfall, sind Sie schwer gestürzt ? Das Knie ist ja vollkommen instabil. Da kann ich Ihnen nicht helfen, da müssen Sie zu einem Spezialisten." Gesagt, getan. Und das alles nur wegen einer kleinen linksdrehenden Tanzeinlage. Also nicht mehr, als jede biologisch-orientierte Bakterie macht. Dann war ich bei Prof. Kujat in Hannover. Seine Kurzdiagnose "Was Sie so schildern, hört sich nach Innen-Meniskus an." Das müssen wir aber noch mal mit der Kern-Spintographie verifizieren. Dieses High-Tech Gerät hat dann alles aufgeklärt. Ein Riss des Innen-Meniskus. Danach hat man die Wahl zwischen weiteren Schmerzen und drohender Athrose oder einer Operation, mit Entfernung des "völlig losgelösten" Teil des Innen-Meniskus. Trotz meiner Kankenhaus-Phobie habe ich mich dieser Herausforderung angenommen. Einen Tag für eine ambulante OP ins Krankenhaus. Juch-Huu, Hauptgewinn.
Am 25. Januar war dann der grosse Tag. Morgens bin ich noch schön brav auf 10.30 Uhr mit dem Zug nach Hannover in die Sophienklinik gefahren. Nach kurzem Check und Markierung des defekten linken Knies ( mit einem normalen Kugelschreiber wohlbemerkt) konnte ich 5 Minuten mit dem Anästhesist plaudern. Das ist so üblich, um zu sehen, ob man mit allem einverstanden ist, lockere Zähne hat und ob in der Verwandtschaft schon mal Probleme bei einer Narkose enstanden sind. Ach ja, und die Frage ob man sich erbarmungslos allem ergibt (So direkt wurde es nat├╝rlich nicht formuliert ...). Nach einer kleinen Unterschrift hat man eine Vollnarkose gewonnen. 1 1/2 Stunden später hat diese auch schlagartig eingesetzt. Ich konnte gerade noch bis drei zählen und schon war ich weg. Eine Stunde später durfte ich dann wieder das Licht der Welt erblicken. Mit ging es gut und ich hatte das Gefühl mal wieder richtig ausgeschlafen zu haben. Das muss man sagen. Vollnarkose ist schon was richtig gutes, zumindest war es bei mir so und ich kann es schlicht weiterempfehlen. Zur Sicherheit habe ich dann unter die Bettdecke geschaut, um zu sehen, dass ich wirklich operiert worden bin und ob auch das defekte Knie erwischt wurde. Anscheinend wurde das "Kugelschreiber-Kreuz" entdeckt und ich wurde tatsächlich operiert. Da ich keinerlei Schmerzen hatte, war das die einzige Möglichkeit den Eingriff zu überprüfen. Danach habe ich noch 4 Stunden im Krankenhaus verbleiben "dürfen", da vor der Entlassung der Professor sein Werk am lebenden :-) Patienten überprüft und der Anästhesist eine finale Atmungsübung durchführen muß. Jetzt konnte ich endlich die neu erworbenen 5 € Krücken benutzen. Immerhin habe ich einen Tag zuvor schon zuhause ein paar Trockenübungen gemacht, um mich mit den Dingern für die nächsten Tage anzufreunden. Anja hat mich glücklicherweise abgeholt und mir die ersten Dinge getragen.
Zuhause gegen 19 Uhr angekommen, habe ich dann meinen Pressverband genauer unter die Lupe genommen und erste Kühlmaßnahmen gestartet. So wurde es mir jedenfalls vom Arzt aufgetragen. Die erste Nacht zuhause war etwas anstrengender, da ich eigentlich immer auf der Seite schlafe. Das ging aber nicht so reibungslos. Irgendwie bin ich aber doch eingeschlafen.
Der nächste Tag wurde von einem Arzt-Besuch eröffnet. Zuerst kam der "Pressverband" ab, und ich sah die schon fast niedlichen Schnitte, die bei der OP enstanden sind. Dann kam es zur nächsten Anekdote. Ich sollte mein Bein mal kurz beugen bzw. anknicken und wieder strecken. Auf einmal hörte ich ein "blubbern", ähnlich eines Wasserfalls. Der Arzt meinte vorher noch "Hören Sie mal ganz genau zu, ist das nicht lustig ... " Ja, das war es in der Tat. Nach einer solchen OP Wasser im Knie zu haben, scheint für Ärzte ganz normal zu sein. Wie alles, was für Ärzte normal ist, aber nicht für mich. Anschließend ging es sofort zur Krankengymnastik. Das gehört zum normalen Meniskus-Wahnsinn. Hier lernt man erstmal richtig mit Krücken zu gehen und spürt auf einmal Muskeln, die anscheinend vierzig Jahre lang ein Schattendasein gefristet haben. Auch das scheint ganz normal zu sein.
Die weiteren Tage wurden abwechselnd von Richterin Barbara Salesch, Krankengymnastik und Trombose-Spritzen geprägt. Trombose-Strümpfe wären mir ja lieber gewesen, weil ich es mit Spritzen auch nicht so habe. Nachdem ich für die erste Spritze ca. 30 Minuten gebraucht habe, um sie mir herein zu "pumpen", könnte man nun meinen, ich wäre ein Junkie, da es inzwischen so schnell geht. Was man alles so macht, wenn man ein Handicap hat und die nächste Marathon-Anmeldung auf 2050 verschoben wurde. Allmählich gehe ich schon fast ohne Krücken ( und das 10 Tage danach), habe heute das erste Mal mein Auto bewegt ( um zur Krankengymnastik zu kommen) und warte darauf endlich wieder ein normales Leben zu haben.
Als Fazit folgendes: Es war nicht so schlimm, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich habe noch mehr Respekt vor allen, die ins Krankenhaus müssen. Und damit auch vor allen Frauen, die das mehr oder weniger freiwillig auf sich nehmen, um dem Kinderglück zu fröhnen. Und, ich werde nicht mehr jeden Tanz annehmen, aber diesmal mit berechtigter Ausrede :-)

Die Kernspin Aufnahme meines Knies
Das Bild ist zwei Tage nach der OP entstanden.

Hier geht es zum zweiten Teil der Meniskus-OP...

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